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<title>Sufet</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Sufet</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die beiden <b>Sufeten</b> waren die obersten <a href="Magistrat" class="mw-disambig" title="Magistrat">Magistrate</a> in <a href="Ph%C3%B6nizien" title="Phönizien">phönizischen</a> Städten wie <a href="Tyros" title="Tyros">Tyros</a> und insbesondere in Nordafrika auf dem Gebiet der Handelsrepublik <a href="Karthago" title="Karthago">Karthago</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Begriff">Begriff</h2></div>
<p>Die <a href="Radikal_(semitische_Sprachen)" title="Radikal (semitische Sprachen)">Wurzel</a> des Wortes „Sufet“ sind die drei Konsonanten <a href="Sin_(Hebr%C3%A4isch)" class="mw-redirect" title="Sin (Hebräisch)">Sin</a>, <a href="Pe" title="Pe">Pe</a> und <a href="Tet_(Hebr%C3%A4isch)" title="Tet (Hebräisch)">Tet</a>. Der <a href="Ph%C3%B6nizisch-punische_Sprache" title="Phönizisch-punische Sprache">punische</a> Begriff špṭ, gesprochen šophet oder eher šuphet entspricht dem <a href="Hebr%C3%A4ische_Sprache" title="Hebräische Sprache">hebräischen</a> <i>schofet</i>: „Richter“. Die <a href="Latein" title="Latein">lateinische</a> Entsprechung lautet <i>su(f)fes</i>, pl. <i>su(f)fetes</i>; <a href="Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">griechisch</a> βασιλεύς.
</p><p>Neben dem Begriff βασιλεύς bzw. <i>rex</i> haben die antiken Autoren die Begriffe <a href="Konsulat_(R%C3%B6misches_Reich)" title="Konsulat (Römisches Reich)">Konsul</a>, <a href="Praetur" title="Praetur">Prätor</a> und <i>meddix tuticus</i> (<a href="Oskische_Sprache" title="Oskische Sprache">oskischer</a> Oberbeamter, lat. Übersetzung <i>iudex publicus</i>) verwendet, gelegentlich auch die mehr der ursprünglichen Bedeutung des Sufetenamts entsprechende Bezeichnung Praetor, um gewisse Aspekte des karthagischen Sufetats zum Ausdruck zu bringen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Der Titel ist in Tyros seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen.
</p><p>In Karthago lässt sich der Sufetat bis 410 in die Zeit des Hannibal (440–406 v. Chr., frühzeitlicher Herrscher, nicht mit <a href="Hannibal" title="Hannibal">Hannibal Barkas</a> zu verwechseln), vielleicht sogar des Hamilkar (510–480 v. Chr.) zurückverfolgen. Möglicherweise gab es schon im 6. Jahrhundert v. Chr. Sufeten. Wahrscheinlich stand Karthago ursprünglich unter der Aufsicht eines <a href="Statthalter" title="Statthalter">Statthalters</a> (skn), der im Namen des Königs von Tyros agierte. Als sich die Stadt im 8./7. Jahrhundert v. Chr. politisch emanzipierte, ersetzte möglicherweise ein <a href="K%C3%B6nig" title="König">König</a> (mlk) den Statthalter. Im 6. Jahrhundert v. Chr. scheinen dann ein <a href="Richter" title="Richter">Richter</a> (špṭ) oder zwei Richter (špṭm) die Macht übernommen zu haben. Generell wird das Erscheinen von zwei jährlich gewählten Sufeten Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. oder im 3. Jahrhundert v. Chr. angenommen. Es galt das Prinzip der <a href="Kollegialit%C3%A4t" title="Kollegialität">Kollegialität</a> und der <a href="Annuit%C3%A4tsprinzip" title="Annuitätsprinzip">Annuität</a>. In den langen Kämpfen von etwa 520 v. Chr. bis 300 v. Chr. scheint sich der Charakter des Amtes kaum geändert zu haben.
</p><p>Als Amtsbezeichnung und Ehrentitel hielt sich der Sufetat wie andere <a href="Punier" title="Punier">punische</a> Einrichtungen bis in die <a href="R%C3%B6mische_Kaiserzeit" title="Römische Kaiserzeit">römische Kaiserzeit</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kompetenzen">Kompetenzen</h2></div>
<p>Die Sufeten wurden von <a href="Volksversammlung" title="Volksversammlung">Volksversammlungen</a> jährlich gewählt.
</p><p>Die Feststellung der Zahl der jährlich amtierenden Sufeten bereitet Schwierigkeiten. Dass der Doppelsufetat zumindest zeitweise in Kraft gewesen ist, lässt sich vielleicht bereits aus den Stellen ersehen, in denen die Sufeten mit den spartanischen Königen und den römischen Konsuln auf eine Stufe gestellt werden. Deutlich wird dies von <a href="Cornelius_Nepos" title="Cornelius Nepos">Cornelius Nepos</a> ausgesprochen. Bestätigt wird diese Annahme durch karthagische Dokumente, in denen nach zwei Sufeten datiert wird. Doch scheint die Zweizahl nicht vom Beginn bis zum Ende des Sufetats beibehalten worden zu sein. Zeitweise dürfte es vier Sufeten gegeben haben.
</p><p>Dass der Sufetat, zumindest in der historisch fassbaren Zeit, das Kennzeichen der Annuität besaß, liegt aufgrund von Notizen von Nepos und <a href="Zonaras" class="mw-redirect" title="Zonaras">Zonaras</a> nahe. Zur Sicherheit wird die Annahme, wenn man die verhältnismäßig zahlreichen epigraphischen Dokumente berücksichtigt, in denen nach dem št (= Jahr) von Sufeten datiert wird. Über die Befugnisse der meist zwei Sufeten sind wir nur zu einem Teil informiert. Aus der Wiedergabe der Amtsbezeichnung Sufet mit „König“ (βασιλευς bzw. <i>rex</i>) lassen sich nur vage Rückschlüsse auf die Machtbefugnisse der Amtsinhaber ziehen.
</p><p>Sie waren die obersten Staatsbeamten. Öffentlich vertraten sie als <i>summus magistratus</i> (<a href="Titus_Livius" title="Titus Livius">Livius</a>, deutsch „oberste Behörde“) die staatlichen Belange nach außen. Sie scheinen im zwischenstaatlichen Verkehr über bedeutende Machtbefugnisse verfügt zu haben, denn sonst wäre die Verwendung des Wortes βασιλευς bzw. <i>rex</i> unverständlich. In welchem Maß sie staatlichen Kontrollen unterworfen waren, lässt sich an diesen beiden Bezeichnungen nicht ablesen.
</p><p>Sie leiteten den häufig als <a href="Senat" title="Senat">Senat</a> bezeichneten karthagischen Rat, hatten den Vorsitz und Vortrag im Rat, sie besaßen das Recht zu dessen Einberufung und zur Vorlage von Anträgen an den Rat. Bei der Gesetzgebung spielten sie ebenfalls eine entscheidende Rolle. Aller Wahrscheinlichkeit hatten sie auch das Recht, die <a href="Volksversammlung" title="Volksversammlung">Volksversammlung</a> einzuberufen, außerdem wissen wir von keinen anderen Beamten, die dafür in Frage gekommen wären. Auch die Staatsfinanzen scheinen letzten Endes von ihnen überwacht worden zu sein, unterstützt durch einen dem römischen <a href="Quaestur" title="Quaestur">Quästor</a> vergleichbaren Beamten.
</p><p>Die staatlichen Belange setzten sie durch <a href="Polizei" title="Polizei">Polizeikräfte</a> durch, deren oberste Vorgesetzte sie selbst gewesen zu sein scheinen. Wie schon der Name <i>špṭ</i> (Richter) bzw. <i>meddix tuticus</i> vermuten lässt, stand das Gerichtswesen weitgehend unter ihrer Aufsicht. Sie hatten nicht selten auch den Oberbefehl im Krieg. Die große Bedeutung ihrer Stellung ist daran ersichtlich, dass sie wie die „Großen“ (<i>rab</i>) im republikanischen Karthago das Amt innehatten, das in alt-ostphönikischer Zeit dem König vorbehalten gewesen zu sein scheint, das Amt des <i>mqm ’lm</i>, also des Erweckers des Gottes <a href="Melkart" title="Melkart">Melkart</a> (<i>mlqrt</i>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<ul><li><a href="Aristoteles" title="Aristoteles">Aristoteles</a>, <i>Politik</i></li>
<li><a href="Cornelius_Nepos" title="Cornelius Nepos">Cornelius Nepos</a>, <i>Hannibal</i></li>
<li><a href="Sextus_Pompeius_Festus" title="Sextus Pompeius Festus">Festus</a></li>
<li><a href="Junianus_Justinus" class="mw-redirect" title="Junianus Justinus">Justin</a></li>
<li><a href="Titus_Livius" title="Titus Livius">Livius</a></li>
<li><a href="Paulus_Diaconus" title="Paulus Diaconus">Paulus Diaconus</a></li>
<li><a href="Polybios" title="Polybios">Polybios</a></li>
<li><a href="Seneca" title="Seneca">Seneca</a>, Dialoge</li>
<li><a href="Zonaras" class="mw-redirect" title="Zonaras">Zonaras</a></li>
<li>zahlreiche punische <a href="Inschrift" title="Inschrift">Inschriften</a> in diversen Publikationen</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Werner_Dahlheim" title="Werner Dahlheim">Werner Dahlheim</a>: <i>Die griechisch-römische Antike.</i> Band 2: <i>Stadt und Imperium. Die Geschichte Roms und seines Weltreiches.</i> Schöningh, Paderborn u. a. 1992, ISBN 3-8252-1647-0 (laufende Nachdrucke).</li>
<li><a href="St%C3%A9phane_Gsell" title="Stéphane Gsell">Stéphane Gsell</a>: <i>Histoire ancienne de l’Afrique du Nord.</i> Band 2: <i>L’état carthaginois.</i> Hachette, Paris 1921.</li>
<li><a href="Werner_Hu%C3%9F" title="Werner Huß">Werner Huß</a>: <i>Geschichte der Karthager</i> (= <i><a href="Handbuch_der_Altertumswissenschaft" title="Handbuch der Altertumswissenschaft">Handbuch der Altertumswissenschaft</a>.</i> Abteilung 3, Teil 8). C. H. Beck, München 1985, ISBN 3-406-30654-3.</li>
<li>Werner Huß: <i>Die Karthager.</i> 3., überarbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-37912-5.</li>
<li>Werner Huß: <i>Karthago.</i> 3., durchgesehene Auflage. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-39825-1.</li>
<li>Serge Lancel: <i>Carthage. A History.</i> Blackwell, Oxford u. a. 1997, ISBN 1-57718-103-4.</li>
<li>Michael Palkovits: <i>Verträge zwischen Rom und Karthago.</i> Graz 2004 (juristische Diplomarbeit).</li>
<li><a href="Gilbert_Charles-Picard" title="Gilbert Charles-Picard">Gilbert-Charles Picard</a>, Colette Picard: <i>Vie et mort de Carthage.</i> Hachette, Paris 1970.</li>
<li><a href="Gerhard_Schrot" title="Gerhard Schrot">Gerhard Schrot</a>: <i>Karthago.</i> In: <i><a href="Der_Kleine_Pauly" title="Der Kleine Pauly">Der Kleine Pauly</a></i> (KlP). Band 3, Stuttgart 1969, Sp.&nbsp;136.</li>
<li>Maurice Sznycer: <i>Carthage et la civilisation punique.</i> In: Claude Nicolet (Hrsg.): <i>Rome et la conquête du monde mediterranéen. 264–27 avant J.-C.</i> Band 2: <i>Genèse d’un empire</i> (= <i>Nouvelle Clio.</i> Band 8). Presses Universitaires de France, Paris 1978, ISBN 2-13-035850-0, S. 545–593.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Sufet" class="extiw external" title="wikt:Sufet">Wiktionary: Sufet</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4829081-6">4829081-6</a></span> </div>
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